Ein Mann für alle Fälle

Ein Mann für alle Fälle

Eigentlich joggt Bernd Zanger nur selten. Für ein regelmäßiges Sportprogramm fehlt ihm schlicht die Zeit, und im Zweifel greift er lieber zu Wanderschuhen oder Fahrrad. Bei einem seiner Projekte schnürte er dennoch jeden Dienstag um Punkt 17 Uhr seine Laufschuhe – rein beruflich. „Beim Kunden gab es eine interne Laufgruppe, der haben einige Kollegen und ich uns angeschlossen.“

 

Für den 53e-Jährigen war das Training eine willkommene Abwechslung und die Gelegenheit, die Kollegen besser kennenzulernen. Ein Vorteil, denn auch längere Zeit nach Start des Change-Projekts tat sich ein Mitarbeiter auf Kundenseite mit der Integration ins Projektteam schwer. Bernd Zanger sah die Zeit außerhalb des Jobs als Chance, den Mitarbeiter auf einer persönlicheren Ebene kennenzulernen. Mit Erfolg: Einige Wochen später war die anfängliche Skepsis verflogen „Am Ende war der Mann Feuer und Flamme für das Projekt. Er hat es sogar auf einer Konferenz vorgestellt und dort über seine positiven Erfahrungen berichtet.“ Vom hohen Körpereinsatz abgesehen sind solche Situationen für Bernd Zanger nichts Neues. Nach über 20 Jahren im Consulting-Geschäft und fast 100 Projekten im deutsch-, englisch- und französischsprachigen Raum kennt der studierte Ingenieur viele Typen von Kunden – vom Engagierten über den Pragmatiker bis hin zum Sturkopf. Obwohl jedes Projekt seine eigene Dynamik hat, gibt es einen gemeinsamen Nenner: die Angst vor dem Unbekannten. „Auch wenn dieser Kunde ein Extrembeispiel war, ist das Prinzip oft gleich. Wir als externe Berater müssen zunächst unsere Sporen verdienen, zumal die Belegschaft Begriffe wie Change oder Optimierung meistens erst einmal zurückhaltend aufnimmt.“

"Am Ende war der Mann Feuer und Flamme für das Projekt."

Zu Beginn kämpfen die von Bernd Zanger gesteuerten Projektteams meist mit Vorurteilen. „Gerade an den Standorten selbst gelten wir Berater oftmals als Akademiker und Krawattenträger, die von oben herab theoretische Entscheidungen treffen, aber wenig Ahnung von der Praxis haben.“ Die meisten Skeptiker entspannen sich aber,  wenn sie die Projektphilosophie von T.A. Cook kennenlernen. „Wir machen nicht nur die Konzeptarbeit, sondern arbeiten mit den Kunden. Wenn die Mitarbeiter feststellen, dass auch wir unsere Ärmel hochkrempeln und aktiv anpacken, ist das Eis oft gebrochen.“

In seinem Job trifft Bernd Zanger, der 2019 sein zehnjähriges Dienstjubiläum bei T.A. Cook feiert, regelmäßig immer wieder auf individuelle Persönlichkeiten und ganz unterschiedliche Egos. So wie in einem multinationalen Change-Projekt, als sein Gegenpart auf Kundenseite in einem Meeting vor dem versammelten Top-Management das vorab besprochene Vorgehen missachtete. „Ich bin bis heute davon überzeugt, dass er sich als Neuling gegenüber seinem Boss beweisen wollte.“ In solchen Situationen braucht es mehr als hochgekrempelte Ärmel – nämlich Fingerspitzengefühl und eine Portion Gelassenheit. Eigenschaften, die Bernd Zanger, neben viel Erfahrung, besitzt. „Ich mag es nicht, mich selbst zu loben. Ein Patentrezept habe ich auch nicht. Aber was ich sagen kann: Ich baue in solchen Stresssituationen auf eine Eingabe und mein Gefühl. Und ich verliere nie das Projektziel aus den Augen, selbst wenn ich merke, dass Ärger in mir hochsteigt. Das funktioniert in der Regel ziemlich gut.“

So auch in diesem Fall: Statt vor versammelter Mannschaft eine Diskussion zu starten, schluckte der Change-Management-Experte seine Emotionen herunter. Mit ein paar Stunden Schlaf und Abstand suchte er dann am nächsten Tag erneut das Gespräch: „Ich habe einen Kollegen mitgenommen und den Kunden höflich, aber bestimmt und direkt auf sein Verhalten angesprochen. Durch die direkte und authentische Art habe ich mir Respekt verschafft, danach lief unsere Kommunikation deutlich besser.“ In solchen Situationen verlässt sich Bernd Zanger auf sein Bauchgefühl und entscheidet immer wieder neu, welche Art der Kommunikation nötig und sinnvoll ist.

„Wenn ich versuchen würde, Kunden vorab in gewisse Schubladen zu stecken, kann ich nur scheitern. In diesem Fall hat die direkte Ansprache funktioniert, bei einem anderen Kollegen hätte ich die Lage vielleicht verschlimmert. Deshalb entscheide ich immer aus der Situation heraus und passe mein Verhalten und meine Sprache an. Hauptsache, ich erreiche die gesetzten Ziele und damit der Kunde seine Benefits.“

"Wenn ich ein Projekt leite, dann lasse ich mich nicht auf halbe Sachen ein. Das ziehe ich durch und gehe die Extrameile.”

Eine Einstellung, die den Job von Bernd Zanger häufig noch zeitintensiver macht als ohnehin schon. „Wenn ich ein Projekt leite, dann lasse ich mich nicht auf halbe Sachen ein. Das ziehe ich durch und gehe die Extrameile.“ So kommt es, dass ab und zu sogar die Familie des 53-Jährigen zum Teil eines Projekts wird – gewissermaßen. „Als ich für ein viermonatiges Projekt nach Australien musste, habe ich meine Familie mitgenommen. Eine andere Option kam für mich über einen so langen Zeitraum nicht infrage.“ Während der älteste, mittlerweile volljährige Sohn zu Hause in Kehl am Rhein das Haus hütete, begleiteten ihn sein jüngerer Sohn und seine Frau auf die weite Reise.  „Mein Sohn ging dort für zwei Monate zur Schule. Für mich war das ziemlicher Luxus. Statt abends in ein leeres Hotelzimmer zu kommen, hatten wir dort nach Feierabend ein richtiges Familienleben.“ Mittlerweile leben Bernd Zanger und seine Familie wieder in ihrem Eigenheim nahe der französischen Grenze. Beschäftigt ist der Familienmensch aber wie eh und je. Nicht nur, weil er gemeinsam mit den Kunden das bestmögliche Ergebnis erreichen will. Auch sein Spezialgebiet, das Change-Management, entwickelt sich ständig weiter.

„Die Projekte werden durch die Digitalisierung immer kleinteiliger und komplexer, die Steuerung und Kommunikation mit den Kunden durch neue Managementstrukturen anspruchsvoller.“ Wie gut, dass sich Bernd Zanger im Geflecht aus komplexen Aufgaben und meinungsstarken Kollegen auf seine Erfahrung und sein Gefühl verlassen kann. Und wenn alle Stricke reißen, holt er einfach seine Laufschuhe aus dem Schrank.

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